Ich weiss was du letzten Sommer getan hast...
Weil ich so lange nichts mehr berichtet hab, weiss ich ehrlich gesagt gar nicht, wie und wo ich weiter machen soll. Alles nachholen? Einfach nur von aktuellen Erlebnissen berichten? Keine Ahnung! Und irgendwie soll das bloggen mir ja auch noch Spass machen und mich nicht stressen. Deshalb verspreche ich nichts, ich schreib eben dann, wenn ich Lust und Zeit hab. Und fuer all die Fotos die ich jetzt nicht hier hochlade, muesst ihr mich einfach in Deutschland besuchen, da berichte ich dann gerne nochmal ausfuehrlich!
PS: Alle Berichte nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge ;)
Abenteuer auf Stweart Island
Vom 19. bis zum 23. Januar waren wir auf Stewart Island, der drittgroessten Insel Neuseelands. Das war ein Erlebnis, sag ich euch! Mit der Faehre sind wir von Bluff eine Stunde gefahren, eine ganz schoen schaukelige Angelegenheit. Fast 90% der Insel sind Naturschutzgebiet, und ausser der kleinen Ortschaft Oban gibt es da auch wirklich nur Natur.
Unsere Mission auf Stewart Island war es, den dreitaegigen Great Walk, den Rakiura Track, zu bezwingen. Mitsamt unseren grossen Rucksaecken sind wir am Dienstag morgen losgewandert, voller Motivation und Vorfreude auf das Kommende.
Wer mir vor Neuseeland gesagt hatte, ich wurde eine Huttenwanderung machen, dem hatte ich nen Vogel gezeigt. Umso besser doch, dass ich hier einso tolles neues Hobby gefunden habe. Besonders in einem Land wie Neuseeland kann man die Landschaft un Natur in ihrer vollen Schoenheit nur zu Fuss begreifen. Es ist eh schon duenn besiedelt, und wenn man sich dann nur auf Strassen und in Staedten aufhaelt, sieht man eben nur einen kleinen Bruchteil. Gerade da wird mir immer bewusst, dass es eine sehr gute Entscheidung war, ein Auto zu kaufen. Ohne eigenes Fahrzeug ist man naemlich voll und ganz von den astronomisch teuren Touren abhaengig. Es ware quasi unmoeglich all die Orte zu sehen, die wir besucht haben.
Zurueck zum Rakiura Track: anfangs wurden wir ein bisschen benieselt, aber das war nichts, was eine Regenjacke und das Regencape fuer den Rucksack nicht abhalten koennten. Danach war es zum Glueck ziemlisch okay, am letzten Tag sogar warm und sonnig!
Kurzfassung: wirklich eine wunderbare Erfahrung! Wir sind durch verwunschenen Regenwald gelaufen, an menschenleeren Straenden entlang, haben eine Gruppe Kaka beobachtet und frische Paua/Abalone gegessen.
Auch in einem Hostel zu wohnen war fuer uns ja was neues, weil wir eigentlich immer im Auto oder bei Familien schlafen. Aber es war cool, eine ganz andere Atmosphaere und viel mehr Leute. Beim Wandern haben wir Jascha und Rob kennengelernt, mit denen wir abends bei "Kai Kart" himmlisches Fish'n'Chips gegessen. Also wirklich. Allein dafuer wuerde ich nochmal nach Stewart Island fahren. Wir hatten Blue Cod Stueckchen, die so zart waren, dass sie auf der Zunge zergangen sind. Toll, jetzt hab ich wieder Appetit...
Bei Daemmerung am letzten Abend sind wir mit den Decken aus dem Hostel (psst, niemandem verraten) zum Hafen gegangen. Dort, hinter irgendwelchen grossen weissen Containern kann man naemlich bei Dunkelheit Little Blue Penguins bei ihrem Landgang beobachten. Und sie sind wirklich sehr little. Und niedlich, wie sie so ueber die Felsen zu ihren Unterschluepfen gehopst sind.
Das war's fuer dieses Mal. Im Moment sind wir in Geraldine, auf dem Weg zur Erewhon Station und dem Lake Heron. Ab naechstem Wochenende sind wir dann in Christchurch. Und am Montag erwartet uns eine Familie in Loburn, auf die ich mich schon wahnsinnig freue. Dort gibt es hoffentlich auch die Moeglichkeit mal kurz was zu schreiben.

Unser Motto hier: No shoes, no bras, no worries! Und ausserdem, why not? Wir geniessen das Leben in vollen Zuegen, sorgenfrei, mit Leichtigkeit und Sonnenschein haben wir einfach the time of our lifes. Der Ernst des Lebens wartet zuhause auf uns, bis dahin lassen wir ihn nicht an uns ran. Denn es sind nur noch knapp drei Monate. Zugegeben, sehr vollgestopfte, vermutlich ereignisreiche Monate, in denen wir noch drei weitere Laender besuchen (Australien, Singapur, Vereinigte Arabische Emirate/Dubai). Aber die Zeit fliegt nur so an uns vorbei, und kaum haben wir einmal geblinzelt, sind wir schon wieder in Deutschland.
In dem Sinne, macht's gut, schreibt mir doch auch mal was bei euch so abgeht, und ich freu mich auf euch!
Eure sehr entspannte und gebraeunte Julia
Hallo :)
Ich lass einfach mal die Bilder sprechen :D
Mehr Text kommt bald wieder, aber ich lebe noch und bin super glücklich! <3
Alles Liebe, Julia
Strandleben und Sandflies
Blaue Brücke auf die Südinsel

Was uns wohl da drüben erwartet? Sehen wir vielleicht Delfine? Werden wir seekrank? Diese und noch ganz andere Fragen haben wir uns gestellt als wir darauf gewartet haben, endlich auf die Fähre (wir haben die Bluebridge genommen) fahren zu dürfen. Dann war es endlich soweit. Die erste und letzte Stunde der Fahrt haben wir an irgendeiner Reling verbracht, in der Hoffnung am Horizont oder vielleicht sogar im Bugwasser des Schiffes ein paar Delfine zu sehen. Tatsächlich haben wir welche gesehen, ganz kurz, schon nach zehn Minuten, ist eine Gruppe von vielleicht vier oder fünf Blau-Weißen Delfinen auf uns zugeschwommen. Leider waren sie aber nach ein paar Sekunden schon wieder verschwunden, viel zu schnell um ein Foto zu machen. Nach einer Stunde im Wind haben wir dann die Hoffnung auf noch mehr Delfine aufgegeben und sind nach drinnen gegangen um Reiswaffeln zu essen (Hier gibt es welche mit Sourcream-&Schnittlauchpulver, die schmecken viel zu gut um nach einer aufzuhören!).
Insgesamt waren wir etwa dreieinhalb Stunden unterwegs. Das letzte Stück sind wir durch die Marlborough Sounds gefahren - traumhaft! Türkisblaues Wasser, grüne Berge drumherum, goldene Sandstrände... Schade dass wir kein eigenes kleines Boot haben auf dem wir von Bucht zu Bucht fahren können.
Von Strand zu Strand

In Picton sind wir vom Schiff runter gefahren, und haben gleich einen kostenlosen Campingplatz im Mahau Sound in der Double Bay aufgesucht. Direkt am Strand (ist ja mittlerweile schon fast Standard) mit tollem Blick (ist auch schon Standard, heißt aber nicht, dass wir das nicht mehr zu schätzen wissen!). Da wir dringend eine Pause von ständig neuen Eindrücken nötig hatten und es uns dort so gut gefallen hat, sind wir den nächsten Tag auch noch dort geblieben. Finja hatte beim relaxen am Strand eine Eingebung, wie wir unserer Regenbogensonnenschirmtuch (das wir in Taupo auf dem Campingplatz gefunden und vom Sonnenschirmgestell abgemacht haben) nutzen können: Hippiedeko für Uwe und uns! Schere raus, und losgebastelt. Freundschaftsarmbändchen, Flechtdeko, Haarbänder, Scoubidouanhänger und gewickelte & geknotete bunte Fetzen im gesamten Innenraum unseres Autos (und ein Stirnband für unser Maskottchen Udo, den Kiwi). Den Rest der Zeit verbringen wir momentan mit Lesen, Finja liest Harry Potter und der Feuerkelch und ich lese Herr der Ringe 1-3 in einem Buch. Natürlich auf Englisch, ist ja schließlich (auch) ne Bildungsreise.
Unser nächster Halt war ein kostenloser DOC Campingplatz in Elaine Bay. Mit ebenfalls traumhafter Aussicht und einem kleinen Steg aufs Wasser raus. Auch wenn das Wasser sehr einladend aussah, wollten wir nicht rein, denn es hat nur so vor Quallen gewimmelt. Vielleicht waren die nicht mal giftig, aber man kann's ja nicht wissen. Stattdessen sind wir zur Piwakawaka Bay gewandert und haben dort am komplett einsamen Strand gebadet (auch wenn es kalt war - das stärkt das Immunsystem). Auf dem Rückweg zu Uwe führte uns der Weg oberhalb der Bucht durch den Wald. Plötzlich sah ich etwas, das ganz nach Delfin aussah! Fünf bis zehn Delfine schwammen und sprangen einfach so durch die Bucht. Hin und her, hinter einem Boot durch's Kielwasser und wieder zurück. Fotografieren ließen sie sich leider ziemlich schwer, aber ich hab haufenweise Kopffotos gemacht. Ich hoffe sehr dass wir irgendwann nochmal dazu kommen welche von ganz nah dran zu sehen.
Frisch gebadet sind wir nach Nelson gefahren, wo man auf einem Parkplatz mitten in der Stadt von 5pm bis 8am kostenlos stehen darf. Nach den Nächten in der Idylle waren wir gar nicht mehr an Straßenlaternen und Asphalt unter den Füßen gewöhnt. Nelson ist klein aber fein. Wir sind ein bisschen durch die Straßen geschlendert, durch einen hübschen Park und auf einen Hügel - zum Mittelpunkt Nueseelands. Dass das blöde Ding auch ausgerechnet auf einem Hügel oben drauf sein muss, und nicht irgendwo im Flachland.
Gespaltene Äpfel und strenger Counsil
Nach Nelson wollten wir eigentlich in Motueka schlafen, da war aber nur für Self-Contained, also mussten wir weiter. In Kaiteriteri stand direkt am Ortseingang ein drohendes "NO CAMPING!" Schild und wir waren erstmal ratlos. So streng haben wir das bisher noch gar nicht wirklich erlebt. Habt doch mal Mitleid mit heimatlosen Backpackern! Wir machen doch gar nichts, vor allem wenn da eine Öffentliche Toilette ist, was soll denn da schon passieren?! Nach viel hin und her haben wir uns dann mal wieder für eine Haltebucht am Straßenrand entschieden. Ob das legal ist wissen wir auch nicht so recht, deshalb fahren wir von dort auch immer spätestens um 7am wieder weg. Diesmal zum Split Apple Rock, ein bisschen weiter nördlich. Ein kurzer Fußweg führt den Berg runter zum Strand - bis auf ein paar Kajakfahrer menschenleer. Wieder sah das Wasser so einladend aus, dass wir uns einfach in die Fluten stürzen und anschließend sonnen mussten. Leider kam recht häufig iregendein Ausflugsboot für lauffaule Touristen an, die den Split Apple Rock auch besichtigen wollten. Halb so wild, jetzt sind wir halt auf ein paar dutzend Urlaubsfotos im Hintergrund zu sehen.
In Marahau wollten wir eigentlich nur schnell auf einem Campingplatz duschen, aber weil die Schlafplatzsituation hier auch nicht besser war, haben wir bezahlt und haben legal geduscht und geschlafen. Allerdings erst nach einer lustigen Partie Volleyball mit Dave (und vielen Namenlosen), der uns quasi gezwungen hat. Wer gewonnen hat, wissen wir zwar nicht, aber während wir abgelenkt waren, sind die Sandflies schamlos über uns hergefallen und haben uns zerfleischt.
Was die nächsten Tage geschah kann ich aus Gründen noch nicht berichten, dauert aber nicht mehr lange. Soviel: Es war toll und jetzt haben wir wieder einen Helpxplatz gefunden, bei Blueberry Tim (etwas südlich von Collingwood).
Das nächste Update folgt dann in spätestens ein paar Tagen.
Bis dahin, see yous and big hugs <3
Wo soll ich anfangen?
Seit dem letzten Eintrag ist schon wieder so unglaublich viel passiert. So viel erlebt, so viele Menschen getroffen und keine ruhige Minute gehabt. Deshalb wird dieser Eintrag wohl wieder sehr lang, sorry dafür. Aber: diesmal gibt es auch Fotos.
Beachparty mit Maori und Hai

Laut Campermate (wie ich diese App liebe) gibt es in Porangahau einen Freedomcampingspot direkt am Strand. Unter den Bäumen direkt hinter den Dünen haben wir Uwe geparkt, wollten einfach nur entspannen nach den letzten spannenden Tagen. Da kamen plötzlich zwei Locals zu uns. 'Wanna smoke some weed?' 'No thank you, we don't smoke' 'Wanna drink something?' 'No thank you, it's not even afternoon!' 'But this is camping, get something to drink!' So lernt man sich heutzutage eben kennen. Nach einem Fußballspiel am Strand sind Taane und Dylan wieder gefahren, allerdings mit dem Versprechen mit der Angel für ein Lagerfeuer zurückzukommen.
Ein sehr rücksichtsloser Jemand hat beim Angeln am Strand ein paar kleine Haie gefangen, und die einfach achtlos liegen lassen. Taane (ein Maori) hat vorgeschlagen den mitzunehmen anstatt zu angeln. Also haben wir ein Loch gegraben, Feuerholz gesammelt und das ein oder andere Tuibier vernichtet. Die Naturwissenschaftlerin in mir konnte sich kaum zurückhalten als Dylan (Taanes Cousin und so ein richtiger Hinterwäldlerjunkietyp) den Hai ausgenommen hat. Nachdem alles Essbare im Feuer gelandet war, hab ich mir den Rest genauer angeschaut. Unser kleiner Hai war gerade schwanger, und hatte vier noch kleinere Haie im Bauch. Neugierig hab ich die Fruchtblasen geöffnet und die Babys untersucht. Wirklich erstaunlich, die waren gerademal Handlang und hatten noch riesige Dottersäcke am Bauch. Zwei von ihnen waren sogar noch lebendig aber leider zu klein um zu überleben. Wirklich eine Schande dass jemand einen Fisch fängt und ihn dann einfach so liegen lässt. Was man tötet muss man auch verwenden. Meine Meinung.
Nachdem das Feuer ausgebrannt war, sind wir mit Taane zu dem Haus gefahren dass er mit seiner Freundin Amber geerbt hat und jetzt renoviert. Auf ca. 2000m² (hauptsächlich Busch) haben sie ein zweistöckiges Haus in dem auch für uns Platz war.
Am nächsten Morgen durften wir Waka fahren, eine Art Kanu, dass die Maori (in viel größer) als Kriegsschiffe benutzt haben. Man sitzt nicht zwischen den Wänden des Bootes sondern auf einem Brett oben drauf und zum Gleichgewicht halten muss man sich in Richtung des Seitenarmes lehnen. Hat richtig viel Spaß gemacht!
Beim Frühstück hat ein Erdbeben der Stärke 6,9 Gisborne getroffen (ca. 200km von uns entfernt). Wir haben es zwar nicht gespürt, aber ein Kerzenständer hat sich auf dem Tisch umherbewegt. Gut dass wir nicht mehr weiter nördlich unterwegs waren!
Abends haben wir King's Cup nach Kiwi Art gespielt und French Toast in der Garage gemacht (die Küche muss noch gebaut werden). Taane kennt viele Geschichten der Maori und es war wirklich cool die Legenden von einem Insider zu hören und nicht nur irgendwo auf einem Infoschild zu lesen. Einer seiner Vorfahren hat beispielsweise den Mt. Ngauruhoe bestiegen um das Land für sich zu erobern. Oben angekommen war er sehr erschöpftund hungrig, hatte aber nichts mehr dabei (Weitsichtigkeit war da noch nicht so im Trend). Also beschloss er seinen Bergsteigerkumpanen zu töten und zu essen. Ihm zu Ehren hat er den Berg dann nach ihm benannt. Ein anderer Vorfahre hat die Erfindung des Haka miterlebt und noch ein anderer hat ganz früher die Wikingerprinzessin geheiratet (ja, die Wikinger waren auch mal hier) und deshalb hat sein ganzer Stamm hellere Haut als die meisten Maori. Auch Taanes eigenes Leben war sehr ereignisreich, aber das würde jetzt zu weit führen (erstes Auto mit elf, Tatoos im Knast selbstgestochen, mehr Drogen ausprobiert als eine Laborratte...).
Nach einem sehr herzlichen Abschied sind wir noch schnell zum Ort mit dem längsten Namen der Welt gefahren. Taumata whakatangi hangakoauau o tamatea turi pukakapiki maunga horo nuku pokai whenua kitanatahu ist der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge
hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der
Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte. Und ja, Amber konnte das tatsächlich aussprechen.
Die Ruhe vor dem (im?) Sturm
Die nächsten zwei Nächte verbrachten wir ganz in Ruhe, erst auf dem Alfredton Domain Campsite und dann auf dem Bucks Road Campsite. Es war super windig die ganze Zeit, man mochte das Auto kaum verlassen aus Angst davon zu fliegen. Im Radio haben sie von 130km/h Windgeschwindigkeit gesprochen. Beim Fahren hat man das auch sehr stark gemerkt, ständig musste ich gegen lenken und überall lagen Äste oder halbe Bäume auf der Straße. Nachts unter Bäumen zu schlafen war auch nicht wirklich entspannt. Schließlich waren am Straßenrand auch einige entwurzelt, wieso also nicht auch am Waldrand?
Wildlifetechnisch alles fit?

Von Featherston aus sind wir ganz in den Süden gefahren, zum Cape Palliser. Die Straße, eine ca. 60km lange Sackgasse, windet sich malerisch über die Hügel bis hin zum Meer, wo sie sich dann zwischen Felswand und Meer bis zum Leuchtturm entlangschlängelt. Ein "Achtung Pinguine" Schild weckte bei uns die (falsche) Hoffnung hier ein paar kleinen Frackträgern zu begegnen. Fehlanzeige. Fast am Ende der Schotterstraße warteten stattdessen neuseeländische Seebären auf uns. Direkt am Ufer, zwischen und auf
den Felsen saßen und lagen sie rum. Überall! Da sie sehr gut getarnt sind, hat man zuerst gar nichts gesehen, und dann immer mehr. In einem Pool lag zu unserem Erstaunen auch eine Seeelefanten Kuh, die da ein bisschen relaxed hat. Es war so unglaublich diese Tiere einfach mal in freier Natur zu sehen, ohne Zaun, nicht von einem Boot aus. Die Robben ließen sich von uns gar nicht stören, sind auf den Felsen umhergeklettert und haben gebadet. Die Seeelefantin hat sich nach einer Weile aus dem Wasser rausgehieft (anders kann man's nicht sagen). Aber da so viele Felsen zwischen ihr und uns waren sind wir relativ entspannt geblieben.
Das eigentliche Highlight am Cape, der Leuchtturm war nach diesem Erlebnis nur noch halb so cool. Trotzdem sind wir die 250 Treppenstufen hochgeklettert um die Aussicht zu genießen.
In Ngawi, einem kleinen Ort auf dem Weg zum Cape gibt es dank dem lokalen Council ein Freedomcampinggebiet direkt am Strand. Dort haben wir mit Meerblick zwei Nächte verbracht und wunderschöne Sonnenuntergänge beobachtet. Am Strand dort gab es außerdem unzählige riesige Paua-Muscheln. Die kosten im Laden so um die 13$ das Stück, und wir haben beim Spaziergang nebenbei jeweils sechs gefunden.
Adoptiert von Samoanern

Regentag, Bibliothekstag. In Upper Hutt (nach der schrecklichen Fahrt über die Berge, im Nebel, mit Sturmböen) sind das erste Mal an diesem Tag in die Bücherei gegangen. Danach war Uwe's Batterie leer. Muss man das Licht wirklich ausmachen? Hmm. Zum Glück standen wir gegenüber einer Werkstatt, aus der ein freundlicher Kiwi eine LKW Batterie geholt hat und uns Starthilfe gegeben hat. In Lower Hutt haben wir völlig legal in einem Top 10 Holidaypark geduscht und sind erneut in die Library gegangen. Eine halbe Stunde später fanden wir uns mit Blumenkränzen auf dem Kopf und Lawalawa um die Hüften in Mitten eines Chorwettbewerbs mit anschließendem Essen einer samoanischen Kirchengemeinde wieder. Nanu? Wie konnte das denn schon wieder passieren? In der Bücherei hat uns Emily, die Frau des Pfarrers angesprochen und war ganz entsetzt darüber dass wir im Auto schlafen. Um das zu verhindern hat sie uns eine Unterkunft gesucht - und gefunden. Wir konnten mit Naomi und Alex Wulf mitgehen. Die beiden wohnen mit zwei der fünf Kinder in Wainuiomata, einem Neben/Vorort von Lower Hutt. So kam es dazu, dass wir uns nun stolze adoptiv-Samoaner nennen dürfen. Naomi hat uns jeweils noch ein Lawalawa geschenkt (so Tücher die alle um die Hüfte tragen, quasi wie ein Schottenrock, nur tropischer) und uns gesagt dass wir wie ihre eigenen Kinder für sie sind. Die Gastfreundschaft der ganzen Familie ist wirklich grenzenlos.
Am Sonntag wurden wir mit zur Kirche genommen, gleich zwei Gottesdienste haben wir miterlebt. Einen gemischten, für alle Mitglieder der Gemeinde (Samoaner und Cook Islander), und einen auf samoanisch. Anschließend gab es im Gemeindehaus noch was zu Essen. Samoaner sind sehr fixiert auf's Essen, besonders auf Fleisch. Deshalb sind wir nach der Kirche auch nochmal zum Fish'N'Chips Laden gefahren und haben was für den "kleinen Hunger" geholt (5 große Fischstücke, 2 fritierte Hotdogs, 2 Würstchen, fritierte Ananas und ca. 1kg Pommes).
Oh Wellywood...
Tagesausflug in die Vergangenheit
Wieder ein großer Unterschied zwischen Deutschland und Neuseeland: so ein cooles Museum wäre niemals kostenlos! Für das neuseeländische Nationalmuseum Te Papa muss man zwar keinen Eintritt bezahlen, dafür sind die Parkhauskosten außerirdisch. Für 6 einhalb Stunden haben wir 22$ bezahlt. Egal, das Museum war's auf jeden Fall wert.
Es ging los mit einem Blauwalskelett, einem riesigen Riesentintenfisch aus der Tiefsee und einem Rundgang durch eine kleine Kalksteinhöhle. Dann folgten Vulkane, Erdbeben und die Entstehung Neuseelands. Als nächstes die Geschichte der Maori und anderer Einwanderer aus dem Pazifik und deren Kunst.
Wirklich spannende und interessante Sachen waren da zu sehen, haben auch was gelernt (ist ja schon fast eine Bildungsreise :D ).
Tagesausflug nach Mittelerde


Am Dienstag haben Naph (Naomis Sohn) und Nella (seine Freundin, bei denen wir momentan wohnen) uns mit nach Wellington genommen, weil sie da arbeiten. (Juhu, Spritkosten und Parkgebühr gespart!) Vom Te Papa sind wir 9km zum Flughafen gelaufen um uns da die übergroßen Figuren aus Mittelerde anzuschauen. Gollum jagt sich 'nen frischen, saftig-süßen Fisch, Gandalf reitet die Adler spazieren und Smaug macht ein Nickerchen beim Check in. 3km später waren wir in der Park Road, dem Ort, an dem ganz viel von Herr der Ringe und dem Hobbit entstanden ist. Dort befinden sich nämlich die Weta Workshops und die Park Road Post Production (da wird JETZT gerade der letzte Teil vom Hobbit fertig gestellt!!). Wir konnten in zwei Lagerhallen rein spickeln, wo kreative Menschen gerade an irgendeiner Kulisse gebaut haben. Am Ender der Park Road befindet sich das Weta Cave, ein kleines Museum in dem auch ein Film über die Arbeit von Weta (Workshops & Digital) zu sehen ist. Als echte Fans mussten wir natürlich auch die Tour durch die Werkstatt machen, die Geld kostet und auf der man leider keine Fotos machen darf (und kann). Aber: meine Güte, das war wirklich cool!
Die Leute von Weta arbeiten an mehr Filmen mit als man denkt (neben den offensichtlichen Mittelerdefilmen auch Avatar, Avengers, Spiderman, King Kong, Godzilla, Tim und Struppi, District 9 und viele andere). Die kümmern sich um Kostüme, Waffen, Miniaturen, Monster, Special Effects und Motion Capturing.
Ich freu mich immer für Leute die ihr Hobby und ihre Leidenschaft zum Beruf machen können und dadurch auch noch Teil von solch tollen Projekten werden können. Insgeheim bin ich dann ein bisschen neidisch und würde das auch gerne machen.
Wellington Classics
Für ein klassisches Wellington-Foto sind wir mit dem Cable Car den Berg zum Observatorium hochgefahren. Der Weg vom Berg runter führte durch den Botanischen Garten, was immer gefährlich ist. Wenn da steht 20 Minuten brauchen wir ne Stunde. Zu viele coole Blumen, zu viele Fotos, der Garten verschlingt uns einfach und wir finden nie mehr raus! Am unteren Rand lag dann auch noch ein risieger Rosengarten und Zack war der Akku leer. Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft wieder rauszufinden und sind vorm Parlament gelandet.
Nach einem Picknick im Vorgarten des Parlamentsgebäudes haben wir eine kostenlose Tour durch eben dieses Haus gemacht. Auch wenn man denkt "Urgh, Parlament, Regierung, Langweilig" war es überhaupt nicht so.
Der Tourguide war lustig und hat ein paar nette Anekdoten erzählt. Zum Beispiel haben die da einen großen traditionellen Maori-Anker stehen, an dem alle Nationen die irgendwie mit Neuseeland befreundet sind und alle die mit Migrationshintergrund hier leben ein Band dranmachen durften. So symbolisch. Dafür gab es Richtlinien, die Breite und Länge des Bandes betreffend. Welches Land hat sich wohl als einziges exakt an alles gehalten? Richtig, 12 Points to... Germany!
Neuseeland ist außerdem das einzige Land, indem jeder Brief den ein Bürger bezüglich eines Gesetzes schreibt gelesen werden muss UND der Bürger auch persönlich angehört werden muss, wenn er das möchte.
Support the whale navy!
Nichtsahnend schlenderten wir die Promenade am Hafen entlang zurück zu Te Papa, da wurden wir auf ein Schiff aufmerksam, vor dem eine Gruppe Menschen versammelt war. Nach kurzem grübeln viel uns ein, woher uns das Logo auf dem Schiff so bekannt vor kam: Sea Shepherd liegt vor Anker! Sea Shepherd ist eine Organisation, die vom Mitgründer von Greenpeace, Paul Watson, gegründet wurde, da ihm das Protestieren allein nicht genug war. Mit ihren Schiffen verhindern die Freiwilligen in der Antarktis dass japanische Walfänger tatsächlich Wale fangen können oder machen ihnen zumindest das Leben erheblich schwerer. Walfang ist ja eigentlich verboten, aber die Japaner haben in den letzten Jahrzehnten unter dem Vorwand der Forschung weiter Wale gefangen und getötet. Das ist jetzt als illegal anerkannt worden, was die Japaner aber wenig kümmert, ab nächstem Jahr machen sie einfach weiter.
Ich bewundere diese Menschen, die ihr Leben riskieren um andere Lebewesen zu retten, und das alles vollkommen ohne (materiellen) Gewinn. Meinen vollen Respekt! Gesetze sind gut und notwendig, aber bringen herzlich wenig wenn sich niemand darum kümmert dass sie eingehalten werden.
Und sonst so?
Tja, und sonst so? Am Samstag fahren wir mit der Bluebridge Fähre nach Picton auf die Südinsel. Auf der Überfahrt soll das Schiff angeblich meist von einer Gruppe Delfine begleitet werden. Das wäre so cool! Wir werden zwar sicherlich in Kaikoura noch welche sehen, aber je mehr desto besser! Einen Blick auf die Berge konnten wir vom Cape Palliser schon erhaschen, aber ich bin trotzdem schon ganz aufgeregt was da auf uns wartet. Finja hat so hohe Erwartungen und ich hoffe dass sie da nicht enttäuscht wird. Ich bin auch gespannt wie unser Leben da so aussieht, mehr Campen oder mehr Familie-spricht-uns-an-und-wir-wohnen-da? Viele Freedomcampingspots haben wir schon auf einer Karte entdeckt, aber ob das auch wirklich so easy ist? Was machen wir an Weihnachten und finden wir mal wieder nen Job? Fragen über Fragen :D
Es sind ja nun fast drei Monate vorbei, und ich weiß nicht wie's euch geht, aber das ging verdammt schnell! Ich hab jetzt schon so viele wertvolle Dinge gelernt und so viele unvergessliche Momente erlebt. Ich bin unendlich dankbar dafür dass ich die Möglichkeit habe so eine Reise zu machen, und ich hoffe so sehr dass es nicht die einzige bleiben wird. Manchmal hab ich so Momente in denen mich das alles überwältigt und ich wie blöd vor mich hin grinse. Aber das ist egal. Wen kümmert's was andere denken? Ich bin glücklich verdammt noch mal! Worauf auch immer ich Lust hab, ich kann es tun und ich werde es tun. Wenn jemand neidisch ist, hab ich alles richtig gemacht.
Whoa, sorry für den kleinen Gefühlsausbruch.
Jetzt hab ich das Schlusswort ja schon quasi geschrieben. Hm.. Naja.. Dann... Ach ja, rechts in der Leiste ist jetzt ein Kasten für Emailbenachrichtigungen, so dass alle die nicht bei Facebook auch immer Bescheid wissen wann's was Neues zu lesen gibt. (Ich hoffe das funktioniert auch).
Alles Liebe wünscht euch eine sehr glückliche Julia <3 xx